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Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM): drei Säulen, Bezug zur ISO 45001, Einführung

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist die systematische Gestaltung von Arbeit, Organisation und Verhalten mit dem Ziel, die Gesundheit der Beschäftigten zu erhalten und zu fördern – über den gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitsschutz hinaus. Es verbindet drei Säulen: den Arbeitsschutz (Pflicht), das betriebliche Eingliederungsmanagement nach längerer Krankheit (Pflicht) und die betriebliche Gesundheitsförderung (freiwillig) – von Ergonomie über Bewegung und Ernährung bis zur psychischen Gesundheit. Im Unterschied zu einzelnen Aktionen wie dem Obstkorb ist BGM ein Managementansatz mit Zielen, Analyse, Maßnahmen und Erfolgskontrolle.

Die drei Säulen

  • Arbeitsschutz: Gefährdungsbeurteilung einschließlich psychischer Belastungen (§ 5 Arbeitsschutzgesetz), arbeitsmedizinische Vorsorge, Unterweisung, Betriebsarzt und Fachkraft für Arbeitssicherheit – der gesetzliche Kern, den ein SGA-Managementsystem nach ISO 45001 strukturiert.
  • Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM): nach § 167 Abs. 2 SGB IX Pflicht für jeden Arbeitgeber, wenn Beschäftigte innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen arbeitsunfähig waren – ein strukturiertes Angebot, die Rückkehr zu erleichtern und erneute Arbeitsunfähigkeit zu vermeiden.
  • Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF): freiwillige Maßnahmen zu Bewegung, Ernährung, Stressbewältigung, Suchtprävention und gesunder Führung; Krankenkassen fördern sie nach § 20b SGB V, Arbeitgeber können bis zu 600 Euro je Beschäftigtem und Jahr steuerfrei aufwenden (§ 3 Nr. 34 EStG).

BGM und ISO 45001

Die ISO 45001 zielt auf sichere und gesunde Arbeitsplätze und die Verhütung arbeitsbedingter Verletzungen und Erkrankungen; Gesundheit ist damit ausdrücklich Teil des Systems, einschließlich psychosozialer Faktoren in der Gefährdungsbeurteilung. Die Norm fordert aber kein Gesundheitsförderungsprogramm – BGF geht über sie hinaus. In der Praxis ist die Verbindung sinnvoll: Das Managementsystem liefert Struktur, Kennzahlen (Fehlzeiten, Unfälle, Fluktuation, Ergebnisse von Mitarbeiterbefragungen), Verantwortlichkeiten und den Verbesserungskreislauf, das BGM füllt es mit gesundheitsbezogenen Zielen und Maßnahmen. Wer beides zusammenführt, vermeidet Parallelstrukturen wie einen Arbeitsschutzausschuss und einen getrennten Gesundheitszirkel, die dieselben Themen behandeln. Als Orientierung für ein eigenständiges BGM-System dient die DIN SPEC 91020; sie ist nicht zertifizierbar im Sinne einer akkreditierten Zertifizierung, aber als Leitfaden verbreitet.

BGM einführen: Vorgehen

  1. Entscheidung und Struktur: Ziele der Geschäftsführung, Steuerungskreis mit Personal, Arbeitsschutz, Betriebsrat und Betriebsarzt, Budget.
  2. Analyse: Fehlzeiten und Unfälle, Altersstruktur, Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen, Mitarbeiterbefragung, Gesundheitsbericht der Krankenkasse.
  3. Maßnahmen planen: verhältnisorientiert (Arbeitsgestaltung, Ergonomie, Führung, Arbeitszeit) vor verhaltensorientiert (Kurse, Angebote); Prioritäten nach Analyse, nicht nach Katalog.
  4. Umsetzen: mit Beteiligung der Beschäftigten, Führungskräfte einbinden, Kommunikation.
  5. Bewerten: Kennzahlen im Zeitverlauf, Teilnahmequoten, Befragungen; Ergebnisse in die Managementbewertung.

Praxisbeispiel

Ein Logistikdienstleister mit 180 Beschäftigten hat Fehlzeiten von 7,5 Prozent, vor allem durch Rückenbeschwerden im Lager und psychische Erkrankungen in der Disposition. Die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen zeigt Termindruck und fehlende Pausenregelung; die Analyse im Lager zeigt schwere manuelle Handhabung. Maßnahmen: Hubhilfen und Rotationsplan im Lager, verbindliche Pausen und Schichtplanung in der Disposition, Führungskräfteschulung, dazu ein freiwilliges Rückenprogramm mit der Krankenkasse. Nach zwei Jahren liegen die Fehlzeiten bei 5,4 Prozent – die Einsparung übersteigt die Kosten des Programms deutlich.

Häufige Fragen zum betrieblichen Gesundheitsmanagement

Ist betriebliches Gesundheitsmanagement Pflicht?

Zwei seiner drei Säulen sind gesetzlich vorgeschrieben: der Arbeitsschutz einschließlich der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen und das betriebliche Eingliederungsmanagement nach § 167 SGB IX. Die betriebliche Gesundheitsförderung ist freiwillig, wird aber von Krankenkassen unterstützt und steuerlich begünstigt. BGM als Managementansatz, der alle drei verbindet, ist keine Pflicht, aber der wirksamste Weg, die Pflichten zu erfüllen.

Was ist der Unterschied zwischen BGM und BGF?

Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) umfasst die freiwilligen Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit, etwa Bewegungs- und Ernährungsangebote oder Stressbewältigung. Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist der übergeordnete Managementansatz mit Zielen, Analyse, Steuerung und Erfolgskontrolle, der BGF, Arbeitsschutz und Eingliederungsmanagement zusammenführt.

Deckt ein Managementsystem nach ISO 45001 das BGM ab?

Teilweise. Die ISO 45001 zielt auf sichere und gesunde Arbeitsbedingungen und die Verhütung arbeitsbedingter Erkrankungen, einschließlich psychischer Belastungen, und liefert Struktur, Kennzahlen und Verbesserungskreislauf. Freiwillige Gesundheitsförderung fordert sie nicht. Viele Unternehmen nutzen das System als Rahmen und ergänzen es um BGF-Maßnahmen.

Verwandte Begriffe

Sie wollen Arbeitsschutz und Gesundheitsmanagement in einem System zusammenführen? Mehr unter Arbeitsschutz nach ISO 45001.

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