Aktualisiert am:
Dokumentenmatrix: Aufbau, Beispieltabelle und Lenkung dokumentierter Information
Eine Dokumentenmatrix ist die tabellarische Übersicht aller gelenkten Dokumente eines Managementsystems: Welche Dokumente gibt es, wer ist für sie verantwortlich, wo liegen sie, welche Fassung gilt, wann wurden sie zuletzt geprüft – und welche Normanforderungen oder Prozesse sie abdecken. Sie ist das Inhaltsverzeichnis des Systems und zugleich das Werkzeug, mit dem die Lenkung dokumentierter Information nachgewiesen wird. Andere Bezeichnungen: Dokumentenliste, Dokumentenverzeichnis, Dokumentenlenkungsliste oder Master Document List.
Normbezug: Lenkung dokumentierter Information
Alle Managementsystemnormen mit gemeinsamer Grundstruktur – ISO 9001, 14001, 45001, 50001, 27001 – verlangen in Abschnitt 7.5, dass dokumentierte Information gekennzeichnet, freigegeben, verfügbar, vor Verlust und unbefugter Änderung geschützt und in der jeweils gültigen Fassung verwendet wird; Änderungen müssen nachvollziehbar sein, veraltete Fassungen dürfen nicht unbeabsichtigt genutzt werden. Eine Dokumentenmatrix ist nicht vorgeschrieben, aber der einfachste Weg, diese Anforderungen für alle Dokumente auf einen Blick nachzuweisen. Auditoren fragen sie regelmäßig zu Beginn ab, um sich im System zu orientieren, und prüfen dann stichprobenartig, ob am Arbeitsplatz die Fassung aus der Matrix im Umlauf ist.
Aufbau: welche Spalten die Matrix braucht
Ein bewährter Aufbau mit Beispielzeilen aus einem QM-System nach ISO 9001:
| Nr. | Dokument | Typ | Verantwortlich | Ablage | Revision / Datum | Normbezug | Nächste Prüfung |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| QMH-01 | QM-Handbuch | Handbuch | Geschäftsführung | Intranet/QM | Rev. 7, 03/2026 | 4–10 | 03/2027 |
| PB-03 | Auftragsabwicklung | Prozessbeschreibung | Leitung Vertrieb | Intranet/QM/Prozesse | Rev. 4, 11/2025 | 8.2, 8.5 | 11/2026 |
| VA-07 | Prüfmittelüberwachung | Verfahrensanweisung | QMB | Intranet/QM/Verfahren | Rev. 2, 05/2026 | 7.1.5 | 05/2027 |
| AA-12 | Einrichten Presse 3 | Arbeitsanweisung | Meister Fertigung | Aushang Presse 3 | Rev. 5, 01/2026 | 8.5.1 | 01/2027 |
| FB-21 | Wareneingangsprüfung | Formblatt | QS | ERP-Modul QS | Rev. 3, 09/2025 | 8.4, 8.6 | 09/2026 |
Je nach System kommen Spalten für Geltungsbereich (Standort, Bereich), Verteiler, Aufbewahrungsfrist von Nachweisen, Vertraulichkeit (ISO 27001) oder mitgeltende externe Dokumente (Normen, Gesetze, Kundenspezifikationen) hinzu. Externe Dokumente gehören in die Matrix, weil auch für sie die gültige Fassung sicherzustellen ist.
Dokumentenmatrix führen: Praxisregeln
- Eine Quelle: Die Matrix wird an einer Stelle gepflegt – vom QMB oder im Dokumentenmanagement-System, das sie automatisch erzeugt; Kopien in Abteilungen sind der häufigste Grund für veraltete Stände.
- Nummernsystem: Ein Kürzel für den Dokumenttyp plus laufende Nummer (PB-03, VA-07) macht Verweise eindeutig und die Matrix sortierbar.
- Freigabe vor Aufnahme: Ein Dokument steht erst in der Matrix, wenn es geprüft und freigegeben ist; die Matrix ist damit auch die Freigabeliste.
- Prüfrhythmus: Jedes Dokument bekommt ein Prüfdatum, meist jährlich oder anlassbezogen; die Spalte „nächste Prüfung“ wird zur Aufgabenliste.
- Normzuordnung pflegen: Die Spalte Normbezug macht die Matrix zur Normzuordnungsmatrix und erspart im Audit die Suche, wo eine Anforderung umgesetzt ist – besonders im integrierten Managementsystem mit mehreren Normen.
- Nachweise getrennt führen: Für Aufzeichnungen (Prüfprotokolle, Schulungsnachweise) reicht in der Matrix der Verweis auf Formblatt und Ablage; die einzelnen Nachweise selbst werden nicht gelistet.
Ein Dokumentenmanagement-System nimmt die Pflege weitgehend ab: Versionierung, Freigabeworkflow und Wiedervorlage laufen automatisch, die Matrix ist eine Auswertung. Für kleine Unternehmen mit 30 bis 60 Dokumenten reicht eine Tabelle, solange sie konsequent gepflegt wird.
Häufige Fragen zur Dokumentenmatrix
Ist eine Dokumentenmatrix nach ISO 9001 Pflicht?
Nein. Die ISO 9001 verlangt in Abschnitt 7.5, dokumentierte Information zu lenken – Kennzeichnung, Freigabe, Verfügbarkeit, Änderungsverfolgung, Schutz vor veralteten Fassungen –, schreibt aber kein bestimmtes Werkzeug vor. Die Dokumentenmatrix ist die verbreitetste Form, diese Lenkung nachzuweisen, und wird von Auditoren regelmäßig als Einstieg ins System genutzt.
Welche Spalten sollte eine Dokumentenmatrix haben?
Mindestens Dokumentennummer, Titel, Dokumenttyp, verantwortliche Person, Ablageort, gültige Revision mit Datum und Termin der nächsten Prüfung. Sinnvolle Ergänzungen sind der Normbezug, der Geltungsbereich, der Verteiler und bei Nachweisen die Aufbewahrungsfrist. Externe Dokumente wie Normen, Gesetze und Kundenspezifikationen gehören ebenfalls hinein.
Verwandte Begriffe
- Dokumentierte Information
- Dokumentenmanagement-System (DMS)
- QM-Handbuch (Qualitätsmanagementhandbuch)
- Nachweisdokument
Sie wollen Ihre Dokumentation entschlacken und auditfest lenken? Unsere Beratung zum Qualitätsmanagement nach ISO 9001 bringt Struktur in Handbuch, Prozesse und Nachweise.