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High Level Structure (Harmonized Structure): die zehn Kapitel der ISO-Managementsystemnormen
Die High Level Structure (HLS) ist die gemeinsame Grundstruktur, nach der die ISO seit 2012 alle Managementsystemnormen aufbaut: dieselben zehn Hauptkapitel, identische Kerntexte für die gemeinsamen Anforderungen und einheitliche Begriffe. Seit 2021 heißt sie offiziell Harmonized Structure (HS), der ältere Name ist aber weiterhin gebräuchlich. Der Zweck: Unternehmen, die mehrere Normen anwenden – etwa ISO 9001, 14001, 45001, 50001 und 27001 –, sollen sie ohne Widersprüche und Doppelarbeit in einem integrierten Managementsystem zusammenführen können.
Die zehn Kapitel
- Anwendungsbereich – wofür die Norm gilt.
- Normative Verweisungen – mitgeltende Normen.
- Begriffe – die gemeinsamen und die normspezifischen Definitionen.
- Kontext der Organisation – interne und externe Themen, interessierte Parteien und ihre Anforderungen, Geltungsbereich, das Managementsystem und seine Prozesse.
- Führung – Verpflichtung der obersten Leitung, Politik, Rollen, Verantwortlichkeiten und Befugnisse.
- Planung – Risiken und Chancen, Ziele und deren Planung, Planung von Änderungen.
- Unterstützung – Ressourcen, Kompetenz, Bewusstsein, Kommunikation, dokumentierte Information.
- Betrieb – betriebliche Planung und Steuerung; hier stehen die meisten normspezifischen Anforderungen.
- Bewertung der Leistung – Überwachung, Messung, Analyse und Bewertung, internes Audit, Managementbewertung.
- Verbesserung – Nichtkonformität und Korrekturmaßnahme, fortlaufende Verbesserung.
Die Kapitel 4 bis 10 folgen dem PDCA-Zyklus: Kontext, Führung und Planung sind das Planen, Unterstützung und Betrieb das Umsetzen, Bewertung das Prüfen, Verbesserung das Handeln – siehe Deming-Kreis.
Gemeinsam und spezifisch
Die HLS legt für jedes Kapitel einen Kerntext fest, den alle Normen wortgleich übernehmen; die Normenausschüsse dürfen ihn ergänzen, aber nicht abschwächen. Gemeinsam sind damit etwa die Anforderungen an Kontext, Politik, Rollen, Risiken und Chancen, Kompetenz, dokumentierte Information, interne Audits, Managementbewertung und Korrekturmaßnahmen. Spezifisch bleibt vor allem Kapitel 8 – Produktion und Entwicklung in der ISO 9001, Notfallvorsorge in der 14001 und 45001, Auslegung und Beschaffung in der 50001, Risikobehandlung und Anhang A in der 27001 – sowie die fachliche Methodik in Kapitel 6, etwa Umweltaspekte, Gefährdungsbeurteilung oder energetische Bewertung. Auch die gemeinsamen Begriffe sind festgelegt: Organisation, interessierte Partei, Anforderung, Managementsystem, oberste Leitung, Wirksamkeit, Politik, Ziel, Risiko, Kompetenz, dokumentierte Information, Prozess, Leistung, Auslagerung, Überwachung, Messung, Audit, Konformität, Nichtkonformität, Korrekturmaßnahme, fortlaufende Verbesserung – siehe Managementsystem.
Welche Normen der Struktur folgen
Alle seit 2012 neu erschienenen oder revidierten ISO-Managementsystemnormen: ISO 9001 und ISO 14001 (2015), ISO 45001 und ISO 50001 (2018), ISO/IEC 27001 (2013, Struktur vollständig ab 2022), ISO 22301 für Business Continuity, ISO 37001 für Anti-Korruption, ISO 37301 für Compliance, ISO/IEC 42001 für KI-Management und weitere. Branchennormen wie IATF 16949 und EN 9100 übernehmen die Struktur über die ISO 9001. Festgelegt ist die Struktur im Anhang SL der ISO/IEC-Direktiven, seit 2021 als Anhang L bezeichnet – daher auch der Begriff „Annex SL“.
Nutzen für Unternehmen
- Integration: Ein Handbuch, eine Politik, ein Auditprogramm, eine Managementbewertung für mehrere Normen; kombinierte Zertifizierungsaudits mit reduzierter Auditzeit.
- Erweiterbarkeit: Eine neue Norm bedeutet zusätzliche Anforderungen in bestehende Kapitel, nicht ein neues System.
- Verständlichkeit: Wer eine Norm kennt, findet sich in jeder anderen zurecht; Schulungen und Auditoren lassen sich normübergreifend einsetzen.
- Führungsfokus: Die HLS hat die Verantwortung der obersten Leitung und den risikobasierten Ansatz in alle Normen gebracht – Managementsysteme sind seither Führungsinstrumente, nicht Dokumentationspflichten.
Häufige Fragen zur High Level Structure
Was ist der Unterschied zwischen High Level Structure und Harmonized Structure?
Keiner in der Sache. High Level Structure war der Name der gemeinsamen Grundstruktur der ISO-Managementsystemnormen seit 2012; mit der Überarbeitung 2021 wurde sie in Harmonized Structure umbenannt und der zugehörige Anhang der ISO-Direktiven von Anhang SL in Anhang L. Beide Namen bezeichnen die zehn Kapitel mit gemeinsamen Kerntexten und Begriffen.
Welche Normen folgen der High Level Structure?
Alle ISO-Managementsystemnormen, die seit 2012 neu erschienen oder revidiert wurden: unter anderem ISO 9001, ISO 14001, ISO 45001, ISO 50001, ISO/IEC 27001, ISO 22301, ISO 37301 und ISO/IEC 42001. Branchennormen wie IATF 16949 und EN 9100 übernehmen die Struktur über die ISO 9001, auf der sie aufbauen.
Welche Kapitel sind bei allen Normen gleich?
Alle zehn Kapitelüberschriften und die Kerntexte zu Kontext, Führung, Planung, Unterstützung, Bewertung der Leistung und Verbesserung. Unterschiede liegen vor allem in Kapitel 8 Betrieb und in den fachspezifischen Anforderungen der Planung, etwa Umweltaspekte, Gefährdungsbeurteilung oder Informationssicherheitsrisiken.
Verwandte Begriffe
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