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Energetische Bewertung (ISO 50001, Abschnitt 6.3): Anforderungen und Ablauf

Die energetische Bewertung ist die systematische Analyse des Energieeinsatzes und Energieverbrauchs eines Unternehmens mit dem Ziel, die wesentlichen Energieeinsätze zu bestimmen und Möglichkeiten zur Verbesserung der energiebezogenen Leistung zu finden. Sie ist das Fundament jedes Energiemanagementsystems nach ISO 50001: Aus ihr folgen Kennzahlen, Ausgangsbasis, Energieziele und Aktionsplan. Anders als das einmalige Energieaudit wird sie in festgelegten Abständen wiederholt und bei wesentlichen Änderungen aktualisiert – sie ist ein Prozess, kein Bericht.

Anforderungen der ISO 50001, Abschnitt 6.3

Die Norm verlangt, die energetische Bewertung zu entwickeln und durchzuführen, mit einer dokumentierten Methodik und Kriterien. Inhaltlich sind drei Schritte gefordert: Erstens den Energieeinsatz und -verbrauch anhand von Messungen und anderen Daten analysieren – nach Energieträgern, in der Vergangenheit und heute. Zweitens auf dieser Grundlage die wesentlichen Energieeinsätze bestimmen und für jeden die relevanten Variablen, die aktuelle energiebezogene Leistung und die Personen ermitteln, die ihn beeinflussen. Drittens Verbesserungsmöglichkeiten identifizieren und priorisieren sowie den künftigen Energieeinsatz und -verbrauch abschätzen. Die Bewertung ist in festgelegten Abständen und bei größeren Änderungen an Anlagen, Systemen, Prozessen oder Gebäuden zu aktualisieren; ihre Ergebnisse sind als dokumentierte Information aufzubewahren.

Ablauf einer energetischen Bewertung

  1. Daten sammeln: Rechnungen und Lastgänge aller Energieträger über mindestens ein Jahr, Zählerstände, Anlagenliste mit Anschlussleistungen und Betriebszeiten, Produktionsdaten, Witterungsdaten.
  2. Energiebilanz erstellen: Gesamtverbrauch auf Bereiche und Verbraucher aufteilen – gemessen, wo Unterzähler vorhanden sind, sonst berechnet oder temporär gemessen; Ergebnis als Tabelle oder Sankey-Diagramm – siehe Energiebilanz.
  3. Wesentliche Energieeinsätze bestimmen: nach dokumentierten Kriterien – Anteil am Verbrauch, Potenzial, Beeinflussbarkeit.
  4. Einflussgrößen analysieren: je SEU relevante Variablen (Produktionsmenge, Temperatur, Betriebsstunden) und statische Faktoren; Zusammenhang zwischen Verbrauch und Variablen mit Regression prüfen.
  5. Verbesserungsmöglichkeiten ermitteln: Begehungen, Messungen, Vergleich mit dem Stand der Technik; Maßnahmen mit Einsparung, Investition und Wirtschaftlichkeit bewerten – siehe Energieeinsparungspotenzial.
  6. Priorisieren und dokumentieren: Rangfolge nach Wirtschaftlichkeit und Umsetzbarkeit, Prognose des künftigen Verbrauchs, Bericht mit Methodik, Ergebnissen und Maßnahmenliste.

Aus der Bewertung entstehen die Energieleistungskennzahlen und die energetische Ausgangsbasis, gegen die alle späteren Verbesserungen gemessen werden. Verantwortlich ist das Energieteam; die erste Bewertung wird häufig mit externer Unterstützung erstellt.

Energetische Bewertung und Energieaudit

Das Energieaudit nach DIN EN 16247-1 – für Nicht-KMU alle vier Jahre Pflicht nach dem Energiedienstleistungsgesetz – hat einen ähnlichen Inhalt: Bestandsaufnahme, Analyse, Maßnahmenvorschläge. Der Unterschied liegt in der Einbettung: Das Audit ist eine externe Momentaufnahme mit Bericht, die energetische Bewertung ein interner, wiederkehrender Prozess, dessen Ergebnisse direkt in Ziele, Kennzahlen und Betrieb einfließen. Wer ein zertifiziertes Energiemanagementsystem betreibt, ist von der Energieauditpflicht befreit – die energetische Bewertung tritt an seine Stelle.

Häufige Fragen zur energetischen Bewertung

Wie oft muss die energetische Bewertung aktualisiert werden?

Die ISO 50001 verlangt eine Aktualisierung in festgelegten Abständen und bei größeren Änderungen an Anlagen, Prozessen, Gebäuden oder Energiesystemen. Üblich ist eine jährliche Überarbeitung vor der Managementbewertung, bei der Verbräuche, wesentliche Energieeinsätze und Maßnahmenliste geprüft werden, sowie eine vollständige Neubewertung alle drei bis vier Jahre.

Was ist der Unterschied zwischen energetischer Bewertung und Energieaudit?

Das Energieaudit nach DIN EN 16247-1 ist eine externe Bestandsaufnahme mit Bericht, die für Nicht-KMU alle vier Jahre vorgeschrieben ist. Die energetische Bewertung ist der interne, wiederkehrende Analyseprozess im Energiemanagementsystem nach ISO 50001, aus dem Kennzahlen, Ausgangsbasis, Ziele und Aktionsplan folgen. Ein zertifiziertes Energiemanagementsystem ersetzt die Energieauditpflicht.

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