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SGA-Politik (ISO 45001, Abschnitt 5.2): Anforderungen und Musterformulierung
Die SGA-Politik – Politik für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, auch Arbeitsschutzpolitik oder Arbeitsschutzleitlinie – ist die schriftliche Grundsatzerklärung der obersten Leitung zum Arbeitsschutz: Wofür steht das Unternehmen, wozu verpflichtet es sich, und woran will es sich messen lassen? Sie ist das oberste Dokument des SGA-Managementsystems nach ISO 45001, gibt den Rahmen für die Arbeitsschutzziele vor und ist im Unternehmen bekannt zu machen.
Anforderungen der ISO 45001, Abschnitt 5.2
Die oberste Leitung muss die SGA-Politik festlegen, umsetzen und aufrechterhalten. Inhaltlich verlangt die Norm, dass die Politik zum Unternehmen passt – zu Zweck, Größe, Kontext und der Art seiner Gefährdungen – und einen Rahmen für die SGA-Ziele bietet. Sie muss Verpflichtungen enthalten: sichere und gesunde Arbeitsbedingungen zu schaffen und arbeitsbedingte Verletzungen und Erkrankungen zu verhindern, die rechtlichen und sonstigen bindenden Verpflichtungen zu erfüllen, Gefährdungen zu beseitigen und SGA-Risiken zu mindern, das Managementsystem fortlaufend zu verbessern sowie die Beschäftigten und ihre Vertreter zu konsultieren und zu beteiligen. Formal muss sie als dokumentierte Information vorliegen, im Unternehmen kommuniziert und den interessierten Parteien zugänglich sein – Fremdfirmen, Kunden, Behörden. Die ISO 14001 stellt in Abschnitt 5.2 die gleichen Anforderungen an die Umweltpolitik; in einem integrierten System werden beide oft zu einer Unternehmenspolitik zusammengefasst.
Musterformulierung
Eine SGA-Politik passt auf eine Seite. Beispiel für ein mittelständisches Produktionsunternehmen, das die Anforderungen der Norm in eigener Sprache abdeckt:
Die Sicherheit und Gesundheit unserer Beschäftigten hat Vorrang vor Termin und Kosten. Wir schaffen Arbeitsplätze, an denen niemand durch seine Arbeit verletzt wird oder erkrankt, und beziehen Fremdfirmen, Leiharbeit und Besucher in diesen Anspruch ein.
Wir halten alle für uns geltenden Vorschriften des Arbeitsschutzes und die Vereinbarungen mit unseren Kunden und Beschäftigten ein und gehen, wo es sinnvoll ist, darüber hinaus.
Wir ermitteln Gefährdungen systematisch, beseitigen sie an der Quelle und mindern verbleibende Risiken nach der Rangfolge technisch vor organisatorisch vor persönlich.
Wir beteiligen unsere Beschäftigten und den Betriebsrat an Gefährdungsbeurteilung, Maßnahmen und Untersuchung von Vorfällen und ermutigen jede und jeden, unsichere Zustände und Beinahe-Unfälle zu melden – ohne Nachteile.
Wir setzen uns jährlich messbare Arbeitsschutzziele, überprüfen unser Managementsystem regelmäßig und verbessern es fortlaufend.
Diese Politik gilt für alle Standorte und wird von der Geschäftsführung getragen, allen Beschäftigten bekannt gemacht und Interessierten auf Anfrage zugänglich gemacht.
Unterschrift, Datum und Revisionsstand gehören dazu. Entscheidend ist, dass die Politik zu den tatsächlichen Gefährdungen passt: Ein Büro-Dienstleister schreibt anders als eine Gießerei.
Von der Politik zu Zielen und Praxis
Die Politik wirkt nur, wenn sie in Ziele übersetzt wird (Abschnitt 6.2): Unfallhäufigkeit senken, Beinahe-Unfall-Meldungen erhöhen, Gefährdungsbeurteilungen für alle Tätigkeiten aktualisieren, Unterweisungsquote 100 Prozent. Ob Politik und Ziele gelebt werden, zeigt die SGA-Leistung, die in der Managementbewertung bewertet wird. Auditoren prüfen die Politik nicht am Aushang, sondern im Gespräch: Kennen Beschäftigte die Kernaussagen, und passen Entscheidungen der Führung dazu – etwa wenn Termindruck und Sicherheit kollidieren?
Häufige Fragen zur SGA-Politik
Was muss eine SGA-Politik nach ISO 45001 enthalten?
Verpflichtungen zu sicheren und gesunden Arbeitsbedingungen und zur Verhütung arbeitsbedingter Verletzungen und Erkrankungen, zur Erfüllung der bindenden Verpflichtungen, zur Beseitigung von Gefährdungen und Minderung von Risiken, zur fortlaufenden Verbesserung des Managementsystems und zur Konsultation und Beteiligung der Beschäftigten. Sie muss zum Unternehmen passen, einen Rahmen für die Ziele geben, dokumentiert, kommuniziert und für interessierte Parteien verfügbar sein.
Wer erstellt und unterschreibt die SGA-Politik?
Die oberste Leitung, also Geschäftsführung oder Vorstand. Sie kann die Fachkraft für Arbeitssicherheit und den Arbeitsschutzbeauftragten einbeziehen, darf die Verantwortung aber nicht delegieren – die Politik ist ihre Erklärung. Beschäftigte und Betriebsrat sollten bei der Erarbeitung konsultiert werden, das verlangt die ISO 45001 in Abschnitt 5.4 ausdrücklich.
Verwandte Begriffe
Sie wollen eine SGA-Politik formulieren, die zu Ihrem Betrieb passt und im Audit besteht? Mehr unter Arbeitsschutz nach ISO 45001.