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Prüfplan: Inhalt, Beispieltabelle und Erstellung nach ISO 9001

Ein Prüfplan legt fest, was an einem Produkt oder in einem Prozess geprüft wird, wie, womit, wie oft, von wem und was bei einer Abweichung geschieht. Er übersetzt die Anforderungen aus Zeichnung, Spezifikation und Kundenvertrag in konkrete Prüfschritte – vom Wareneingang über die Fertigung bis zur Endprüfung – und ist damit das zentrale Dokument der Qualitätsprüfung. Ein guter Prüfplan sorgt dafür, dass die richtigen Merkmale mit dem richtigen Aufwand geprüft werden: kritische Merkmale häufig und mit fähigen Messmitteln, unkritische stichprobenweise oder gar nicht.

Normbezug: ISO 9001, Abschnitte 8.5.1 und 8.6

Die ISO 9001 verlangt, Produktion und Dienstleistungserbringung unter beherrschten Bedingungen durchzuführen, wozu die Verfügbarkeit von Informationen über die zu erreichenden Ergebnisse, geeignete Messmittel und Überwachungs- und Messtätigkeiten in geeigneten Phasen gehören (Abschnitt 8.5.1). Abschnitt 8.6 fordert geplante Vorkehrungen, um zu verifizieren, dass Produkte und Dienstleistungen die Anforderungen erfüllen, bevor sie freigegeben werden – mit dokumentierten Nachweisen über Ergebnisse und die freigebende Person. Der Prüfplan ist die übliche Form dieser „geplanten Vorkehrungen“. In der Automobilindustrie ist er als Produktionslenkungsplan (Control Plan) nach IATF 16949 Pflicht, mit vorgeschriebenem Aufbau und Reaktionsplan je Merkmal.

Inhalt eines Prüfplans

Je Prüfmerkmal enthält der Plan mindestens diese Angaben – hier als Beispiel für ein Drehteil:

Nr.MerkmalSollwert / ToleranzPrüfmittelUmfangHäufigkeitPrüferNachweisReaktion bei Abweichung
1Werkstoff42CrMo4 lt. Zeugnis 3.1Sichtprüfung Zeugnisje ChargeWareneingangQSERP-WareneingangSperren, Lieferant informieren
2Durchmesser 20 h719,979–20,000 mmBügelmessschraube M-125 Teilealle 2 hMaschinenbedienerRegelkarteMaschine stoppen, Teile seit letzter Prüfung sperren
3Rauheit Rz≤ 6,3 µmRauheitsmessgerät R-031 Teilje SchichtMaschinenbedienerPrüfprotokollWerkzeug prüfen, Nachmessung 5 Teile
4Gesamtlänge85 ± 0,2 mmMessschieber100 %EndprüfungQSPrüfprotokollAussondern, Fehlermeldung

Dazu gehören Kopfdaten (Produkt, Zeichnungsstand, Revision des Prüfplans, Freigabe) und Verweise auf Prüfanweisungen und die Prüfspezifikation. Merkmale mit hoher Bedeutung – aus der Zeichnung als besondere Merkmale gekennzeichnet oder aus der FMEA abgeleitet – bekommen enge Prüfintervalle; die Ergebnisse der Fertigungsprüfung fließen in die Bewertung der Prozessfähigkeit ein.

Prüfplan erstellen: Vorgehen

  1. Anforderungen sammeln: Zeichnung, Spezifikation, Kundenvorgaben, gesetzliche Anforderungen, Ergebnisse der FMEA.
  2. Merkmale bewerten: Welche sind kritisch für Funktion, Sicherheit oder Kunden? Welche lassen sich über den Prozess absichern statt durch Prüfung (siehe beherrschtes Prozessmerkmal)?
  3. Prüfung festlegen: Prüfmittel mit ausreichender Genauigkeit, Prüfumfang und Stichprobe (siehe Annahmestichprobenprüfung), Zeitpunkt, Verantwortliche.
  4. Reaktion definieren: Was passiert bei Abweichung – Sperren, Nachmessen, Eskalation, Freigabe durch wen?
  5. Freigeben und lenken: Prüfplan als gelenktes Dokument mit Revision; bei Zeichnungsänderung, Reklamation oder Prozessänderung überarbeiten.
  6. Dynamisieren: Bei stabilen Prozessen Prüfumfang reduzieren, bei Auffälligkeiten verschärfen – der Prüfplan ist kein Denkmal.

Häufige Fragen zum Prüfplan

Was gehört in einen Prüfplan?

Je Prüfmerkmal der Sollwert mit Toleranz, das Prüfmittel, Prüfumfang und Häufigkeit, die prüfende Person, die Art des Nachweises und die Reaktion bei Abweichung. Dazu Kopfdaten wie Produkt, Zeichnungsstand, Revision und Freigabe sowie Verweise auf Prüfanweisungen. In der Automobilindustrie ist der Aufbau als Produktionslenkungsplan nach IATF 16949 vorgegeben.

Was ist der Unterschied zwischen Prüfplan und Prüfanweisung?

Der Prüfplan gibt den Überblick über alle Prüfungen eines Produkts oder Prozesses und legt fest, was, wann, wie oft und womit geprüft wird. Die Prüfanweisung beschreibt für eine einzelne Prüfung, wie sie konkret durchzuführen ist – Aufspannung, Messpunkte, Auswertung. Der Prüfplan verweist auf die Prüfanweisungen.

Fordert die ISO 9001 einen Prüfplan?

Nicht unter diesem Namen. Die ISO 9001 verlangt in Abschnitt 8.6 geplante Vorkehrungen zur Verifizierung der Produktanforderungen vor der Freigabe und in Abschnitt 8.5.1 Überwachung und Messung in geeigneten Phasen. Der Prüfplan ist die übliche Form, diese Anforderungen zu erfüllen und im Audit nachzuweisen.

Verwandte Begriffe

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