Aktualisiert am:

Quality Function Deployment (QFD): House of Quality, Nutzen und Grenzen

Quality Function Deployment (QFD) ist eine Methode der Produkt- und Dienstleistungsentwicklung, die Kundenanforderungen systematisch in technische Merkmale, Bauteileigenschaften, Prozessparameter und Fertigungsvorgaben übersetzt. Ausgangspunkt ist die „Stimme des Kunden“ – was der Kunde will, in seinen Worten –, Ergebnis sind messbare Zielwerte für die Entwicklung, gewichtet nach der Bedeutung für den Kunden. Das bekannteste Werkzeug ist das House of Quality, eine Matrix, deren Form an ein Haus erinnert. Entwickelt wurde QFD in den 1960er-Jahren in Japan von Yoji Akao und Shigeru Mizuno, bekannt geworden durch die Anwendung bei Mitsubishi und Toyota.

Das House of Quality

Die zentrale Matrix verknüpft in mehreren Feldern das Was mit dem Wie:

  • Kundenanforderungen (Was): links, aus Befragungen, Reklamationen, Marktanalysen; gewichtet nach Bedeutung – etwa „leise“, „leicht zu reinigen“, „lange Akkulaufzeit“.
  • Technische Merkmale (Wie): oben, die messbaren Produkteigenschaften, mit denen die Anforderungen erfüllt werden – Schalldruckpegel, Oberflächenrauheit, Akkukapazität.
  • Beziehungsmatrix: in der Mitte, wie stark jedes Merkmal jede Anforderung beeinflusst (stark, mittel, schwach, keine); daraus ergibt sich die technische Priorität jedes Merkmals.
  • Dach: die Korrelationen zwischen den technischen Merkmalen – wo sich Ziele unterstützen und wo sie widersprechen, etwa Akkukapazität gegen Gewicht.
  • Wettbewerbsvergleich: rechts die Kundenbewertung des eigenen Produkts gegenüber Wettbewerbern, unten der technische Vergleich.
  • Zielwerte: unten die konkreten Vorgaben je Merkmal, die in die Spezifikation eingehen.

In der vollständigen Methode folgen drei weitere Matrizen, in denen die technischen Merkmale nacheinander auf Bauteile, Prozesse und Fertigungsvorgaben heruntergebrochen werden – daher „Deployment“, die Entfaltung der Qualität durch alle Entwicklungsstufen.

Nutzen und Grenzen

QFD zwingt Entwicklung, Vertrieb, Fertigung und Qualitätssicherung an einen Tisch und macht sichtbar, welche Anforderungen wirklich zählen und welche technischen Merkmale sie treiben. Das reduziert späte Änderungen, konzentriert Ressourcen auf das Wesentliche und dokumentiert Entscheidungen nachvollziehbar. Die Grenze liegt im Aufwand: Ein vollständiges House of Quality mit dreißig Anforderungen und vierzig Merkmalen braucht Tage im Team. In der Praxis wird QFD deshalb für Neuentwicklungen und Kernprodukte eingesetzt und für Varianten vereinfacht – oft genügt die erste Matrix. Wichtig ist die Qualität der Eingangsdaten: Wer die Kundenanforderungen nur vermutet statt erhebt, erhält ein präzises Bild einer Vermutung.

Normbezug und Verbindung zu anderen Methoden

Die ISO 9001 verlangt, bei der Entwicklung die Anforderungen als Entwicklungseingaben zu bestimmen – funktionale und Leistungsanforderungen, Kundenanforderungen, gesetzliche Vorgaben – und die Entwicklungsergebnisse daran zu verifizieren (Abschnitte 8.3.3 bis 8.3.5). QFD ist eine strukturierte Methode, diese Eingaben vollständig und gewichtet zu erfassen und in Ergebnisse zu übersetzen; vorgeschrieben ist sie nicht. In der Automobilindustrie gehört sie zum Werkzeugkasten der Produktentstehung nach APQP und ergänzt sich mit der FMEA: QFD legt fest, welche Merkmale wichtig sind, die FMEA, wie sie scheitern könnten. Weitere verwandte Werkzeuge: das Kano-Modell zur Einordnung von Anforderungen in Basis-, Leistungs- und Begeisterungsmerkmale, Design of Experiments zur Optimierung der Zielwerte und Poka Yoke zur Absicherung in der Fertigung.

Häufige Fragen zu Quality Function Deployment

Was ist das House of Quality?

Das House of Quality ist die zentrale Matrix des Quality Function Deployment. Sie stellt gewichtete Kundenanforderungen den technischen Produktmerkmalen gegenüber, bewertet die Stärke ihrer Beziehungen, zeigt im Dach die Wechselwirkungen zwischen den Merkmalen und enthält Wettbewerbsvergleich und Zielwerte. Die Form der Matrix mit dem dreieckigen Dach gibt ihr den Namen.

Wann lohnt sich QFD?

Bei Neuentwicklungen und strategisch wichtigen Produkten, bei denen Kundenanforderungen komplex oder widersprüchlich sind und späte Änderungen teuer wären. Für Varianten und einfache Produkte reicht meist eine vereinfachte Matrix. Voraussetzung sind belastbare Kundendaten und ein bereichsübergreifendes Team aus Entwicklung, Vertrieb, Fertigung und Qualitätssicherung.

Verwandte Begriffe

Mehr zu Entwicklungsprozessen im QM-System: Qualitätsmanagement nach ISO 9001.