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Kundenorientierung (ISO 9001): Bedeutung, Anforderungen und Umsetzung
Kundenorientierung bedeutet, das Unternehmen konsequent an den Anforderungen und Erwartungen seiner Kunden auszurichten – bei Produkten und Dienstleistungen, in den Prozessen, in Entscheidungen und im Verhalten jedes Einzelnen. Sie ist mehr als Freundlichkeit im Verkauf: Kundenorientierung heißt, zu wissen, was der Kunde wirklich braucht, das zuverlässig zu liefern und daraus zu lernen, wenn es nicht gelingt. Im Qualitätsmanagement ist sie der erste der sieben Grundsätze der ISO 9000 und das erklärte Ziel der ISO 9001: Kundenanforderungen erfüllen und die Kundenzufriedenheit erhöhen.
Normbezug: ISO 9001, Abschnitte 5.1.2, 8.2 und 9.1.2
Die ISO 9001 macht Kundenorientierung zur Aufgabe der obersten Leitung: Sie muss dafür sorgen, dass Kundenanforderungen und geltende rechtliche Anforderungen bestimmt, verstanden und beständig erfüllt werden, dass Risiken und Chancen für die Konformität der Produkte berücksichtigt werden und dass der Fokus auf der Erhöhung der Kundenzufriedenheit erhalten bleibt (Abschnitt 5.1.2). Abschnitt 8.2 regelt die Kommunikation mit Kunden und die Ermittlung und Überprüfung der Anforderungen vor der Zusage – siehe Kundenanforderung. Abschnitt 9.1.2 verlangt, die Wahrnehmung der Kunden zu überwachen. Kundenorientierung ist damit kein weicher Wert, sondern über konkrete Anforderungen im System verankert – von der Angebotsprüfung bis zur Reklamationsbearbeitung.
Externe und interne Kunden
Kunde ist, wer ein Ergebnis abnimmt – außerhalb wie innerhalb des Unternehmens. Die Montage ist Kunde der Fertigung, der Vertrieb Kunde der Auftragsabwicklung. Kundenorientierung nach innen (siehe interne Kunden-Lieferantenbeziehung) sorgt dafür, dass jede Übergabe so gestaltet ist, dass der nächste Schritt ohne Rückfragen weiterarbeiten kann – am Ende profitiert der zahlende Kunde. Maßstab bleibt aber immer der externe Kunde: Wenn Abteilungen ihre Schnittstellen perfektionieren, ohne dass der Endkunde etwas davon hat, ist das Organisation um ihrer selbst willen.
Kundenorientierung umsetzen
- Anforderungen wirklich kennen: nicht nur die Spezifikation, sondern auch unausgesprochene Erwartungen an Kommunikation, Reaktionszeit, Verpackung, Dokumentation – erfragt in Gesprächen, nicht vermutet.
- Prozesse vom Kunden her denken: Angebot, Auftragsbestätigung, Lieferung und Reklamation aus Kundensicht durchspielen; was dem Kunden nichts bringt, ist Verschwendung.
- Beschäftigte befähigen: Wer Kundenkontakt hat, braucht Entscheidungsspielraum – eine Gutschrift bis zu einem Betrag, eine Terminzusage ohne Rückfrage.
- Rückmeldungen systematisch nutzen: Reklamationen, Kundengespräche, Bewertungen und Kennzahlen wie Liefertreue und Reaktionszeit auswerten und in den kontinuierlichen Verbesserungsprozess einspeisen.
- Führung vorleben: Kundenorientierung zeigt sich in Zielkonflikten – wenn Termin, Kosten und Kundenwunsch kollidieren, entscheidet die Führung sichtbar.
Praxisbeispiel
Ein Hersteller von Sonderverpackungen hat exzellente Produktqualität, verliert aber Kunden. Kundengespräche zeigen: Nicht die Kartons sind das Problem, sondern Angebote, die fünf Tage dauern, und Auftragsbestätigungen ohne verbindlichen Liefertermin. Das Unternehmen führt eine 24-Stunden-Angebotsfrist für Standardanfragen ein, gibt dem Innendienst die Befugnis, Termine selbst zuzusagen, und misst beides als Kennzahl. Nach einem Jahr ist die Angebotsquote um ein Viertel gestiegen – ohne Änderung am Produkt.
Häufige Fragen zur Kundenorientierung
Was bedeutet Kundenorientierung im Qualitätsmanagement?
Kundenorientierung ist der erste Grundsatz des Qualitätsmanagements nach ISO 9000: Alle Tätigkeiten des Unternehmens richten sich darauf, die Anforderungen der Kunden zu erfüllen und ihre Erwartungen möglichst zu übertreffen. Die ISO 9001 macht sie zur Pflicht der obersten Leitung und verankert sie in konkreten Anforderungen an Kommunikation, Anforderungsprüfung und Überwachung der Kundenzufriedenheit.
Was ist der Unterschied zwischen Kundenorientierung und Kundenzufriedenheit?
Kundenorientierung ist die Haltung und Arbeitsweise des Unternehmens – die Ursache. Kundenzufriedenheit ist das Urteil des Kunden darüber, wie gut seine Erwartungen erfüllt wurden – die Wirkung. Die ISO 9001 verlangt beides: Kundenorientierung als Führungsaufgabe und die Messung der Kundenzufriedenheit als Nachweis, ob sie gelingt.
Wie weist man Kundenorientierung im Audit nach?
Über die Prozesse und ihre Ergebnisse: dokumentierte Ermittlung und Prüfung von Kundenanforderungen, funktionierende Kundenkommunikation, ausgewertete Kundenrückmeldungen und Reklamationen, Kennzahlen zur Kundenzufriedenheit und daraus abgeleitete Maßnahmen. Auditoren fragen außerdem die Geschäftsführung, wie sie Kundenorientierung sicherstellt, und Beschäftigte, ob sie die Anforderungen ihrer Kunden kennen.
Verwandte Begriffe
- Kundenzufriedenheit
- Kundenanforderung
- Interne Kunden-Lieferantenbeziehung
- Führung (ISO 9001, Kapitel 5)
Mehr dazu, wie ein QM-System Kundenorientierung messbar macht: Qualitätsmanagement nach ISO 9001.