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Fehlerklassifizierung: kritischer Fehler, Hauptfehler, Nebenfehler
Die Fehlerklassifizierung ordnet festgestellte Fehler nach ihrer Bedeutung ein – danach, wie schwer die Folgen für Sicherheit, Funktion, Kunden und Kosten sind. Sie ist Grundlage dafür, angemessen zu reagieren: Ein kritischer Fehler stoppt die Auslieferung und löst eine Ursachenanalyse aus, ein kosmetischer Mangel wird notiert und bei Gelegenheit abgestellt. Ohne Klassifizierung wird entweder jeder Kratzer wie ein Sicherheitsrisiko behandelt oder ein Sicherheitsrisiko wie ein Kratzer.
Die üblichen Fehlerklassen
- Kritischer Fehler: gefährdet Sicherheit oder Gesundheit von Nutzern, verletzt gesetzliche Anforderungen oder macht das Produkt unbrauchbar – Bruch eines tragenden Teils, falsche Kennzeichnung eines Gefahrstoffs, fehlerhafte Schutzeinrichtung. Nulltoleranz: Sperrung, Rückverfolgung, Kundeninformation, Ursachenanalyse.
- Hauptfehler: beeinträchtigt Funktion, Lebensdauer oder Verwendbarkeit erheblich oder führt sicher zur Reklamation – Maß außerhalb der Toleranz an einer Funktionsfläche, undichte Verbindung, fehlende Komponente. Aussonderung oder Nacharbeit, Korrekturmaßnahme.
- Nebenfehler: weicht von der Spezifikation ab, ohne Funktion oder Verwendbarkeit spürbar zu beeinträchtigen – Kratzer auf einer nicht sichtbaren Fläche, leichter Farbunterschied, Etikett schief. Häufig Sonderfreigabe möglich; Sammelauswertung, um Prozessdrift zu erkennen.
Diese Dreiteilung geht auf die Qualitätsstatistik zurück und findet sich in ähnlicher Form in der Annahmestichprobenprüfung nach ISO 2859, wo je Fehlerklasse ein eigener annehmbarer Qualitätsgrenzwert (AQL) festgelegt wird – siehe Annahmestichprobenprüfung. In der Automobilindustrie wird die Bedeutung eines Merkmals bereits vorab festgelegt: Besondere Merkmale mit Sicherheits- oder Gesetzesbezug unterliegen verschärfter Lenkung. Bei Feldausfällen und Reklamationen kommt eine zweite Dimension hinzu – die Häufigkeit –, aus der sich zusammen mit der Schwere die Priorität ergibt.
Kriterien für die Einstufung
Damit die Klassifizierung nicht vom Tagesurteil des Prüfers abhängt, werden die Kriterien vorab festgelegt – im Prüfplan, in einer Fehlerliste mit Grenzmustern oder in einem Fehlerkatalog je Produktfamilie: Welche Merkmale sind sicherheitsrelevant, welche Abweichung ist noch akzeptabel, wer darf eine Sonderfreigabe erteilen? Grenzmuster für Oberflächenfehler und Fotos typischer Fehler machen die Einstufung reproduzierbar. Die Klassen sollten mit denen des Kunden übereinstimmen, damit Reklamationen nicht an unterschiedlichen Maßstäben scheitern.
Normbezug und Nutzen
Die ISO 9001 verlangt in Abschnitt 8.7, nichtkonforme Ergebnisse zu kennzeichnen und zu steuern und dabei Maßnahmen entsprechend der Art des Fehlers und seiner Auswirkung zu ergreifen – genau das setzt eine Klassifizierung voraus. Abschnitt 10.2 fordert Korrekturmaßnahmen, die der Auswirkung des Fehlers angemessen sind. Die Klassifizierung steuert damit den Aufwand: Ressourcen für Ursachenanalyse und Maßnahmen fließen dorthin, wo sie wirken. Zugleich liefert sie die Basis für Fehlerkosten-Auswertungen, Pareto-Analysen und die Priorisierung im kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Siehe auch Nichtkonformität.
Häufige Fragen zur Fehlerklassifizierung
Welche Fehlerklassen gibt es im Qualitätsmanagement?
Üblich sind drei Klassen: kritische Fehler, die Sicherheit, Gesundheit oder gesetzliche Anforderungen betreffen; Hauptfehler, die Funktion oder Verwendbarkeit erheblich beeinträchtigen; und Nebenfehler, die von der Spezifikation abweichen, ohne die Verwendbarkeit spürbar zu mindern. Manche Unternehmen und Branchen verwenden feinere Abstufungen oder Buchstaben- und Zahlencodes.
Wer legt die Fehlerklassifizierung fest?
Das Unternehmen, meist die Qualitätssicherung gemeinsam mit Entwicklung und Vertrieb, in Abstimmung mit den Kunden. Die Kriterien werden im Prüfplan, in Fehlerkatalogen oder Grenzmusterkatalogen dokumentiert, damit Prüfer einheitlich einstufen. In der Automobilindustrie geben Kunden über besondere Merkmale und Qualitätssicherungsvereinbarungen oft eigene Klassen vor.
Verwandte Begriffe
Mehr zum Umgang mit fehlerhaften Produkten im QM-System: Qualitätsmanagement nach ISO 9001.