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Nichtkonformität (ISO 9001): Definition, Umgang und Korrekturmaßnahme
Eine Nichtkonformität (auch Nicht-Konformität, englisch nonconformity) liegt vor, wenn eine Anforderung nicht erfüllt ist – gleich, ob sie aus einer Norm, einem Gesetz, einem Kundenvertrag oder den eigenen Vorgaben des Unternehmens stammt. Der Begriff ist der Oberbegriff der Managementsystemnormen für alles, was nicht so ist, wie es sein soll: das fehlerhafte Produkt ebenso wie der nicht eingehaltene Prozess, die versäumte Prüfung oder die Auditfeststellung. Im Alltag sagt man Fehler, Mangel oder Abweichung; die Norm sagt Nichtkonformität, weil sie damit auch Fälle erfasst, die kein Produkt betreffen.
Zwei Fälle in der ISO 9001
- Nichtkonforme Ergebnisse (Abschnitt 8.7): Produkte oder Dienstleistungen, die die Anforderungen nicht erfüllen. Sie sind zu kennzeichnen und so zu steuern, dass sie nicht unbeabsichtigt verwendet oder ausgeliefert werden. Möglichkeiten: Korrektur durch Nacharbeit, Aussondern, Sperren, Rückruf oder Aussetzen der Lieferung, Information des Kunden, Sonderfreigabe durch eine befugte Stelle oder den Kunden. Nach einer Korrektur ist erneut zu prüfen. Dokumentiert werden die Nichtkonformität, die Maßnahmen, erteilte Sonderfreigaben und die entscheidende Stelle – siehe Verschrottung und Fehlerklassifizierung.
- Nichtkonformität und Korrekturmaßnahme (Abschnitt 10.2): gilt für jede Nichtkonformität, auch aus Reklamationen und Audits. Gefordert ist, zu reagieren und die Folgen zu bewältigen, die Ursachen zu ermitteln, zu prüfen, ob ähnliche Fälle bestehen oder auftreten könnten, Korrekturmaßnahmen umzusetzen und ihre Wirksamkeit zu bewerten, bei Bedarf Risiken und das System selbst anzupassen – und all das zu dokumentieren.
Die Unterscheidung ist praktisch wichtig: Nicht jede nichtkonforme Schraube braucht eine Ursachenanalyse, aber jede wiederkehrende oder schwerwiegende Nichtkonformität braucht eine. Die Kriterien dafür legt das Unternehmen fest.
Nichtkonformität in den anderen Managementsystemnormen
ISO 14001, 45001, 50001 und 27001 kennen den Begriff in Abschnitt 10.2 mit derselben Logik – Reaktion, Ursache, Maßnahme, Wirksamkeit. Der Gegenstand ist ein anderer: eine Grenzwertüberschreitung, ein Arbeitsunfall oder Beinahe-Unfall (ISO 45001 spricht zusätzlich vom Vorfall), eine verfehlte Energiekennzahl, ein Sicherheitsvorfall. Im Zertifizierungsaudit ist die Nichtkonformität die formale Feststellung des Auditors, dass eine Normanforderung nicht erfüllt ist, eingestuft als Haupt- oder Nebenabweichung – siehe Auditfeststellungen.
Umgang in der Praxis
- Erfassen: jede Nichtkonformität in einem Meldesystem mit Quelle (Prüfung, Reklamation, Audit, Beobachtung), Beschreibung und Einstufung.
- Sofort handeln: Sperren, Kennzeichnen, Kunden informieren, Folgen begrenzen.
- Entscheiden: Korrektur, Sonderfreigabe oder Aussondern; bei Bedeutung oder Häufung Ursachenanalyse mit 5-Why oder Fischgrätendiagramm.
- Abstellen und prüfen: Korrekturmaßnahme umsetzen, nach angemessener Zeit Wirksamkeit bewerten, erst dann schließen – siehe CAPA-Plan.
- Auswerten: Nichtkonformitäten nach Art, Ursache und Kosten auswerten; Trends in die Managementbewertung und den Verbesserungsprozess einspeisen.
Häufige Fragen zur Nichtkonformität
Was ist der Unterschied zwischen Nichtkonformität und Fehler?
Fehler bezeichnet umgangssprachlich meist ein fehlerhaftes Produkt oder eine falsche Handlung. Nichtkonformität ist der Normbegriff für jede nicht erfüllte Anforderung – am Produkt, im Prozess, im Managementsystem oder gegenüber Gesetzen und Kunden. Jeder Produktfehler ist eine Nichtkonformität, aber nicht jede Nichtkonformität ist ein Produktfehler.
Muss zu jeder Nichtkonformität eine Korrekturmaßnahme erfolgen?
Nein. Die ISO 9001 verlangt in Abschnitt 10.2, auf jede Nichtkonformität zu reagieren und zu bewerten, ob Maßnahmen zur Beseitigung der Ursache nötig sind. Bei einem einmaligen, folgenlosen Fehler kann die Korrektur genügen; bei wiederkehrenden, schwerwiegenden oder kundenrelevanten Nichtkonformitäten sind Ursachenanalyse, Korrekturmaßnahme und Wirksamkeitsprüfung erforderlich. Die Kriterien legt das Unternehmen fest und dokumentiert die Entscheidung.
Was ist eine Sonderfreigabe?
Die dokumentierte Entscheidung einer befugten Stelle oder des Kunden, ein nichtkonformes Produkt trotz Abweichung zu verwenden oder auszuliefern, weil die Abweichung Funktion und Sicherheit nicht beeinträchtigt. Sie ist nach ISO 9001 Abschnitt 8.7 zulässig, muss aber mit Umfang, Begründung und entscheidender Person aufgezeichnet werden und darf kein Dauerzustand sein.
Verwandte Begriffe
Mehr zum Umgang mit Nichtkonformitäten im QM-System: Qualitätsmanagement nach ISO 9001.