Aktualisiert am:

Zertifizierungsstelle: Aufgaben, Anforderungen und Auswahlkriterien

Eine Zertifizierungsstelle ist eine unabhängige Organisation, die prüft, ob ein Managementsystem, ein Produkt oder eine Person die Anforderungen einer Norm oder eines Standards erfüllt, und darüber ein Zertifikat ausstellt. Für Managementsysteme nach ISO 9001, 14001, 45001, 50001 oder 27001 führt sie die Zertifizierungs-, Überwachungs- und Rezertifizierungsaudits durch und entscheidet über Erteilung, Aufrechterhaltung, Aussetzung und Entzug des Zertifikats. Ihre eigene Kompetenz und Unabhängigkeit weist sie durch eine Akkreditierung nach – in Deutschland durch die DAkkS.

Anforderungen an Zertifizierungsstellen

Die ISO/IEC 17021-1 legt fest, wie eine Zertifizierungsstelle für Managementsysteme arbeiten muss: Unparteilichkeit – sie darf das System, das sie zertifiziert, nicht selbst beraten oder aufgebaut haben –, kompetente Auditoren mit Branchenkenntnis, ein festgelegter Auditprozess mit zwei Stufen, Mindestauditzeiten nach Unternehmensgröße und Komplexität, eine von den Auditoren getrennte Zertifizierungsentscheidung, ein Beschwerde- und Einspruchsverfahren und die Veröffentlichung gültiger Zertifikate. Für einzelne Normen gelten Zusatzregeln, etwa ISO/IEC 27006 für ISO-27001-Zertifizierer oder die IATF-Rules für IATF 16949. Die Akkreditierungsstelle überwacht die Einhaltung durch regelmäßige Begutachtungen und Witness-Audits.

Zertifizierungsstelle auswählen: Kriterien

  • Akkreditierung für Norm und Branche: im DAkkS-Verzeichnis prüfen – der Geltungsbereich ist nach Normen und Wirtschaftszweigen begrenzt.
  • Anerkennung bei Kunden: Manche Auftraggeber oder Branchen setzen bestimmte Stellen voraus; für IATF 16949 nur von der IATF anerkannte, für EMAS Umweltgutachter.
  • Auditoren: Branchenerfahrung, Sprache, Verfügbarkeit; ein Wechsel des Auditors kann angefragt werden.
  • Kosten: Angebote vergleichen auf Basis der Auditzeit nach IAF MD 5 – große Unterschiede bei gleicher Auditzeit deuten auf Tagessätze und Nebenkosten hin; Reisekosten, Zertifikatsgebühren und Mehrsprachigkeit einrechnen.
  • Kombinierte Audits: Bei mehreren Normen sollte eine Stelle alle abdecken, um integrierte Audits mit reduzierter Zeit zu ermöglichen.
  • Größe und Nähe: Internationale Konzerne bieten weltweite Anerkennung und Standorte, regionale Stellen oft kurze Wege und persönliche Betreuung – beide sind gleichwertig akkreditiert.
  • Verfahren: Reaktionszeit auf Anfragen, Umgang mit Terminverschiebungen, Fernaudit-Optionen, Zugriff auf Auditberichte.

Abgrenzung: Zertifizierer, Berater, Akkreditierer

Die Rollen sind bewusst getrennt. Der Berater hilft beim Aufbau des Systems und darf es nicht zertifizieren. Die Zertifizierungsstelle prüft unabhängig und darf nicht beraten – Hinweise auf Verbesserungspotenziale im Audit sind erlaubt, konkrete Lösungen nicht. Die Akkreditierungsstelle prüft die Zertifizierungsstelle und hat mit dem Unternehmen keinen Kontakt. Wer ein Angebot erhält, in dem Beratung und Zertifizierung aus einer Hand kommen, sollte misstrauisch sein: Das verstößt gegen die Unparteilichkeitsregeln und gefährdet die Anerkennung des Zertifikats.

Häufige Fragen zur Zertifizierungsstelle

Welche Zertifizierungsstelle ist die beste für ISO 9001?

Alle nach ISO/IEC 17021-1 akkreditierten Stellen erteilen gleichwertige, international anerkannte Zertifikate. Die Wahl richtet sich nach Branchenerfahrung der Auditoren, Anerkennung bei den eigenen Kunden, Abdeckung aller benötigten Normen, Kosten und Betreuung. Entscheidend ist, dass die Stelle für ISO 9001 und den eigenen Wirtschaftszweig im DAkkS-Verzeichnis geführt wird.

Darf eine Zertifizierungsstelle auch beraten?

Nein. Die ISO/IEC 17021-1 verbietet Zertifizierungsstellen, Managementsysteme zu beraten oder aufzubauen, die sie zertifizieren, um ihre Unparteilichkeit zu wahren. Auditoren dürfen im Audit Verbesserungspotenziale benennen, aber keine konkreten Lösungen vorgeben. Beratung und Zertifizierung müssen von getrennten Organisationen kommen.

Kann man die Zertifizierungsstelle wechseln?

Ja, auch während der Laufzeit eines Zertifikats. Die neue Stelle übernimmt das Zertifikat nach einer Prüfung der letzten Auditberichte und offener Abweichungen (Transfer nach IAF MD 2), ohne dass ein neues Zertifizierungsaudit nötig ist. Ein Wechsel bietet sich zum Rezertifizierungsaudit an, wenn Kosten, Auditqualität oder Betreuung nicht mehr passen.

Verwandte Begriffe

Wir beraten unabhängig und zertifizieren nicht – bei der Auswahl der passenden Zertifizierungsstelle und beim Angebotsvergleich unterstützen wir Sie im Rahmen unserer Zertifizierungsunterstützung.

Veröffentlicht in | ISO-Glossar