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Ausgegliederte Prozesse (ISO 9001, Abschnitt 8.4): Steuerung externer Anbieter
Ausgegliederte Prozesse sind Prozesse, die ein Unternehmen für sein Qualitätsmanagementsystem braucht, aber nicht selbst ausführt, sondern von einem externen Anbieter erbringen lässt – die Oberflächenbeschichtung beim Lohnbeschichter, die Wärmebehandlung, die Kalibrierung der Prüfmittel, die Logistik, die Lohnabrechnung, das Hosting der IT. Die Verantwortung bleibt beim Unternehmen: Gegenüber Kunden, Behörden und Zertifizierern muss es die Ergebnisse so vertreten, als hätte es sie selbst erzeugt. Die ISO 9001 spricht deshalb von der Steuerung extern bereitgestellter Prozesse, Produkte und Dienstleistungen.
Normbezug: ISO 9001, Abschnitt 8.4
Die Norm fasst in Abschnitt 8.4 drei Fälle zusammen: zugekaufte Produkte und Dienstleistungen, die in das eigene Produkt eingehen; Leistungen, die der Anbieter im Namen des Unternehmens direkt an dessen Kunden erbringt; und Prozesse, die das Unternehmen bewusst ausgegliedert hat. Für alle drei gilt: Externe Anbieter sind nach festgelegten Kriterien auszuwählen, zu bewerten und zu überwachen; Art und Umfang der Steuerung richten sich nach dem Einfluss auf das Endergebnis und nach der Wirksamkeit der Steuerung beim Anbieter selbst; die Anforderungen sind dem Anbieter klar mitzuteilen (Abschnitte 8.4.1 bis 8.4.3). Ergänzend verlangt Abschnitt 4.4, ausgegliederte Prozesse im QM-System zu berücksichtigen, und Abschnitt 8.1, sie zu steuern. Ausgliedern befreit also nicht von der Norm – es verlagert nur, wie die Anforderungen erfüllt werden.
Wie viel Steuerung ist nötig?
Die Norm verlangt keine Einheitslösung, sondern eine risikobasierte Abstufung. Leitfragen:
- Einfluss auf das Produkt: Kann ein Fehler des Anbieters beim Endkunden ankommen, ohne dass das Unternehmen ihn bemerkt? Dann ist mehr Steuerung nötig – etwa Wareneingangsprüfung, Erstmusterfreigabe, Prozessfreigabe beim Anbieter.
- Eigene Prüfmöglichkeit: Lässt sich das Ergebnis nachprüfen (Maße, Schichtdicke) oder nicht (Gefügeeigenschaften nach Wärmebehandlung, Schweißnahtqualität)? Bei nicht prüfbaren Ergebnissen – siehe spezieller Prozess – muss der Prozess des Anbieters selbst abgesichert sein: Qualifikation, Verfahrensfreigabe, Audit.
- Reifegrad des Anbieters: Ein zertifizierter Anbieter mit stabiler Lieferhistorie braucht weniger Kontrolle als ein neuer oder auffälliger.
- Verfügbare Alternativen: Bei Einzelquellen gehören Notfallplanung und Zweitquellenprüfung zur Steuerung.
Werkzeuge der Steuerung
- Lieferantenauswahl und -freigabe: Selbstauskunft, Zertifikate, Musterlieferungen, gegebenenfalls Audit vor Ort – siehe Kundenaudit aus Sicht des Anbieters.
- Vereinbarungen: Spezifikationen, Qualitätssicherungsvereinbarung, Prüfvorgaben, Änderungsmitteilungspflicht, Rückverfolgbarkeit, Zutrittsrecht für Audits.
- Überwachung: Wareneingangsprüfung, Prüfzeugnisse, Lieferantenbewertung mit Kennzahlen (Reklamationsquote, Liefertreue, PPM), regelmäßige Bewertungsgespräche.
- Nachweise: Bewertungsergebnisse und Maßnahmen sind als dokumentierte Information aufzubewahren (Abschnitt 8.4.1).
Für ausgegliederte Prozesse in anderen Managementsystemen gilt Entsprechendes: ISO 14001 und ISO 45001 verlangen, Umweltaspekte und Gefährdungen bei Auftragnehmern zu berücksichtigen, ISO 27001 die Absicherung der Lieferantenbeziehungen, ISO 50001 die Bewertung der energiebezogenen Leistung bei der Beschaffung.
Praxisbeispiel
Ein Hersteller von Hydraulikkomponenten lässt das Härten seiner Kolben bei einem Lohnhärter durchführen. Nach zwei Feldausfällen zeigt sich: Der Härter hatte den Ofen gewechselt, ohne es mitzuteilen, und das Unternehmen prüfte nur die Oberflächenhärte, nicht die Einhärtetiefe. Die Steuerung wird neu aufgesetzt: Qualitätssicherungsvereinbarung mit Änderungsmitteilungspflicht, Erstmusterfreigabe je Ofen und Charge, Prüfzeugnis mit Härteverlauf zu jeder Lieferung, jährliches Audit beim Härter und eine freigegebene Zweitquelle. Im nächsten Zertifizierungsaudit dient der Fall als Beleg dafür, dass Abschnitt 8.4 verstanden wurde.
Häufige Fragen zu ausgegliederten Prozessen
Was sind ausgegliederte Prozesse nach ISO 9001?
Prozesse, die das Unternehmen für sein QM-System benötigt, aber von einem externen Anbieter ausführen lässt, etwa Beschichtung, Wärmebehandlung, Kalibrierung, Logistik oder IT-Betrieb. Nach Abschnitt 8.4 der ISO 9001 muss das Unternehmen diese Prozesse steuern: Anbieter auswählen, bewerten und überwachen, Anforderungen klar mitteilen und Nachweise führen. Die Verantwortung für das Ergebnis bleibt beim Unternehmen.
Reicht das ISO-9001-Zertifikat des Anbieters als Steuerung aus?
Nein. Das Zertifikat ist ein Kriterium bei Auswahl und Bewertung und kann den Umfang der eigenen Prüfungen verringern. Die Norm verlangt aber eine Steuerung, die sich am Einfluss des Anbieters auf das Endprodukt orientiert – bei kritischen oder nicht prüfbaren Prozessen genügt ein Zertifikat allein nicht, hier kommen Spezifikationen, Freigaben, Prüfzeugnisse und Audits hinzu.
Verwandte Begriffe
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