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Qualitätsmanagementsystem (QMS): Aufbau, Normen und Einführung
Ein Qualitätsmanagementsystem (QMS, QM-System) ist das Zusammenspiel aus Zielen, Prozessen, Zuständigkeiten und Hilfsmitteln, mit dem ein Unternehmen dafür sorgt, dass seine Produkte und Dienstleistungen die Anforderungen der Kunden und des Gesetzgebers verlässlich erfüllen – und dass es dabei laufend besser wird. Es ist kein Ordner und keine Software, sondern die Art, wie ein Unternehmen Qualität plant, lenkt, prüft und verbessert. Der weltweit anerkannte Maßstab dafür ist die ISO 9001.
Woraus besteht ein Qualitätsmanagementsystem?
- Qualitätspolitik und Qualitätsziele: die Richtung, die die Geschäftsführung vorgibt, heruntergebrochen auf messbare Ziele.
- Prozesse: die Abläufe vom Angebot bis zur Auslieferung samt Führungs- und Unterstützungsprozessen, mit Verantwortlichen, Schnittstellen und Kennzahlen – siehe Kernprozesse und Prozessorientierung.
- Rollen und Verantwortlichkeiten: wer entscheidet, wer prüft, wer freigibt; häufig koordiniert ein Qualitätsmanagementbeauftragter (QMB).
- Ressourcen: kompetente Beschäftigte, geeignete Infrastruktur, überwachte Prüfmittel, gesichertes Wissen.
- Dokumentation: so viel dokumentierte Information wie nötig, oft gebündelt in einem QM-Handbuch.
- Überwachung und Verbesserung: Kennzahlen, Kundenrückmeldungen, interne Audits, Managementbewertung, Korrekturmaßnahmen und der kontinuierliche Verbesserungsprozess.
Zusammengehalten wird das Ganze vom PDCA-Zyklus: planen, umsetzen, prüfen, verbessern – siehe Deming-Kreis.
Die sieben Grundsätze des Qualitätsmanagements
Die ISO 9000 stellt dem QM-System sieben Grundsätze voran, an denen sich auch die Anforderungen der ISO 9001 ausrichten: Kundenorientierung, Führung, Einbeziehung der Beschäftigten, prozessorientierter Ansatz, Verbesserung, Entscheidungen auf der Grundlage von Fakten und die Pflege der Beziehungen zu Lieferanten und Partnern. Sie beschreiben die Haltung hinter dem System: Ein QMS, das nur Formulare erzeugt, hat diese Grundsätze verfehlt.
Normen für Qualitätsmanagementsysteme
Die ISO-9000-Familie teilt sich die Arbeit: Die ISO 9000 liefert Grundlagen und Begriffe, die ISO 9001 die Anforderungen, nach denen zertifiziert wird, und die ISO 9004 einen Leitfaden für nachhaltigen Erfolg über die Mindestanforderungen hinaus. Die ISO 9001 gilt für jede Branche und Größe; Anforderungen, die auf ein Unternehmen nicht zutreffen – häufig die Entwicklung –, können begründet als nicht anwendbar erklärt werden. Weltweit bestehen mehr als eine Million Zertifikate.
Mehrere Branchen setzen eigene Regelwerke auf die ISO 9001 auf oder neben sie, etwa die IATF 16949 für die Automobilindustrie, die EN 9100 für Luft- und Raumfahrt, die ISO 13485 für Medizinprodukte und die AZAV für Bildungsträger – Überblick unter branchenspezifische Norm. Umfassendere Ansätze ohne Zertifikat sind Total Quality Management und das EFQM-Modell.
Was bringt ein QMS – gerade kleinen und mittleren Unternehmen?
- Weniger Fehler und Nacharbeit: Abläufe sind geklärt, Ursachen werden abgestellt statt Symptome.
- Unabhängigkeit von Einzelpersonen: Wissen steckt im System, Vertretung und Einarbeitung funktionieren.
- Zugang zu Kunden und Ausschreibungen: Viele Auftraggeber setzen ein zertifiziertes QM-System voraus.
- Steuerung mit Zahlen: Reklamationsquote, Liefertreue und Durchlaufzeiten statt Bauchgefühl.
- Rechtssicherheit: nachweisbar geordnete Organisation, wichtig bei Produkthaftung.
- Basis für weitere Systeme: Umwelt, Arbeitsschutz, Energie oder Informationssicherheit lassen sich zu einem integrierten Managementsystem ergänzen.
Der Aufwand skaliert mit dem Unternehmen: Ein Betrieb mit zwölf Beschäftigten braucht eine Handvoll Prozessbeschreibungen, keinen Konzernapparat.
Einführung eines Qualitätsmanagementsystems in sechs Schritten
- Entscheidung und Bestandsaufnahme: Ziele der Geschäftsführung klären, vorhandene Regelungen sichten, Lücken zur ISO 9001 ermitteln.
- Kontext, Politik und Ziele: Umfeld und interessierte Parteien, Anwendungsbereich, Qualitätspolitik, messbare Ziele.
- Prozesse beschreiben: Prozesslandkarte erstellen, Abläufe mit den Beteiligten so festhalten, wie sie tatsächlich laufen, Risiken und Chancen bewerten.
- Umsetzen und schulen: Regelungen einführen, Beschäftigte einbinden, Kennzahlen erheben.
- Prüfen: internes Audit und Managementbewertung, Abweichungen beheben.
- Zertifizieren: Zertifizierungsstelle auswählen, Zertifizierungsaudit in zwei Stufen, danach jährliche Überwachungsaudits und Rezertifizierung nach drei Jahren.
Kleine und mittlere Unternehmen brauchen dafür in der Regel sechs bis zwölf Monate.
Praxisbeispiel: QMS in einem Handwerksbetrieb
Ein Metallbauer mit 25 Beschäftigten verlor zwei Ausschreibungen, weil ein ISO-9001-Zertifikat verlangt war. In neun Monaten entstand ein schlankes System: eine Prozesslandkarte, neun Prozessbeschreibungen, ein Handbuch mit 16 Seiten, fünf Kennzahlen. Der größte Effekt kam unerwartet aus dem Reklamationsprozess: Weil erstmals jede Beanstandung erfasst und ausgewertet wurde, fiel auf, dass ein Drittel auf unklare Aufmaße zurückging. Eine Checkliste für das Aufmaß halbierte die Nacharbeit innerhalb eines Jahres – das Zertifikat kam obendrauf.
Häufige Fragen zum Qualitätsmanagementsystem
Was ist der Unterschied zwischen Qualitätsmanagement, Qualitätsmanagementsystem und Qualitätssicherung?
Qualitätsmanagement ist die Aufgabe: alle Tätigkeiten, mit denen ein Unternehmen Qualität plant, lenkt, sichert und verbessert. Das Qualitätsmanagementsystem ist der organisatorische Rahmen dafür – Prozesse, Zuständigkeiten, Ziele und Dokumentation. Die Qualitätssicherung ist ein Teil davon: Sie schafft durch Prüfungen und Nachweise Vertrauen, dass die Anforderungen erfüllt werden.
Ist ein Qualitätsmanagementsystem Pflicht?
Gesetzlich nur in einzelnen Branchen, etwa für Hersteller von Medizinprodukten, in der Luftfahrt, für Träger der Arbeitsförderung (AZAV) oder in der Gesundheitsversorgung. Für die meisten Unternehmen ist es eine Marktanforderung: Kunden, Ausschreibungen und Lieferantenbewertungen verlangen ein zertifiziertes System nach ISO 9001.
Muss ein QMS zertifiziert sein?
Nein. Ein Unternehmen kann ein QM-System nach ISO 9001 aufbauen und nutzen, ohne es zertifizieren zu lassen. Das Zertifikat einer akkreditierten Zertifizierungsstelle ist der unabhängige Nachweis nach außen und wird vor allem dann gebraucht, wenn Kunden ihn fordern. Es gilt drei Jahre und wird durch jährliche Überwachungsaudits aufrechterhalten.
Verwandte Begriffe
- QM-Handbuch (Qualitätsmanagementhandbuch)
- Qualitätsmanagementbeauftragter (QMB)
- Qualität (Begriff nach ISO 9000)
- Managementsystem
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